Harsewinkeler Kriminalgeschichten

Zwei Fälle aus Polizeiakten im Stadtarchiv, vordergründig kleine Kriminalfälle, tatsächlich aber zwei Beispiele für die sozialen Verhältnisse im 19. Jahrhundert wurden in diesem Projekt szenisch umgesetzt und auf die Bühne gebracht. Autor der beiden Szenen ist Stadtarchivar Eckhard Möller; die Regie lag bei Christine Ruis.

Der Schmied Drüe und seine Frau

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Ein Nachbar beschwert sich beim Fußgendarm über den randalierenden Schmied.

Das Stück spielt in den 1870er-Jahren. Der jung vermählte Schmied war alles andere als ein tüchtiger Handwerker, sondern vielmehr ein eifriger Wirtshausbesucher, der das geringe Vermögen in kurzer Zeit durchbrachte. Nachbarn beschwerten sich über ihn, weil er in betrunkenem Zustand auf der Straße randalierte und überdies mit Feuer und Pulver unvorsichtig umging. Zweimal wurde er wegen groben Unfugs zu Geldstrafen verurteilt. Beschwerden seiner Frau wegen tätlicher Übergriffe wollte Amtmann Georg Diepenbrock kein Gehör schenken. Auch eine Beschwerde der bedrängten jungen Mutter bei der Staatsanwaltschaft in Münster blieb ohne Erfolg: diese vertraute lieber den Beschwichtigungen des Amtmannes als den Beteuerungen der Ehefrau.<

Der ertappte Kartoffeldieb

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Die Nachbarin Rotthaus führt ebenfalls Beschwerde gegen den Schmied Anton Drüe.

In diesem zweiten Stück geht es um einen unbescholtenen Harsewinkeler Kötter, der wegen des Diebstahls einer Hand voll Kartoffeln, begangen sonntags zur Gottesdienstzeit in Gütersloh, in die Mühlen der Justiz geriet. Zu seinem Glück traf er mit dem Harsewinkeler Amtmann Eduard Wendland auf einen verständigen Verwaltungsbeamten, der um die Not der bäuerlichen Unterschichten wusste, von einer Anzeige beim Gericht in Rheda absah und es bei einer Nacht im Arrest beließ.

Mit diesem Projekt hat das Stadtarchiv Harsewinkel erstmals ein archivpädagogisches Projekt außerhalb der traditionellen Zusammenarbeit mit Schulen realisiert. Der verwendete theaterpädagogische Zugang erforderte von allen Beteiligten immer wieder aufs Neue die Reflexion darüber, wie nah an den Quellen die Handlung bleiben musste und wie weit sie sich, um den Anforderungen szenischer Darstellung zu genügen, von diesen entfernen durfte.

Zu danken ist dem Ministerpräsidenten des Landes NRW und der Sparkasse Gütersloh für die finanzielle Förderung des Projektes und dem LWL-Archivamt für Westfalen für die gute Kooperation.