Zeitreise in Harsewinkels Vergangenheit
Nicht in ferne Städte oder Länder, wohl aber in vergangene Zeiten brachen die Schüler der Harsewinkeler Grundschulen und des 5. Schuljahres der Hauptschule auf, die sich Anfang Oktober 2009 an der vom Stadarchiv veranstalteten Zeitreise begaben. 'Reisebegleiter' waren Stadtführerinnen und Stadtführer, die in historische Kostüme geschlüpft waren.
Nachdem die Kinder im Sitzungssaal des Rathauses mit Zylindern und Kopftüchern für ihre Reise passend eingekleidet worden waren, trafen sie schon vor dem Rathaus auf Anton Westermann, den Harsewinkeler Spökenkieker, der ihnen von seinem Leben als Tagelöhner und Schäfer berichtete und auch sein 'zweites Gesicht', die Fähigkeit in die Zukunft zu blicken, offenbarte. Weiter ging es dann zum Wendlandhaus am Alten Markt, wo Eduard Wilhelm Wendland davon erzählte, wie er Anfang des 19. Jahrhunderts als Leutnant nach Harsewinkel gekommen war, sich schöne und wohlhabende Gastwirtstochter Jenny Gildemeister geheiratet hatte und schließlich zum Bürgermeister ernannt wurde.
Starke Frauen
Weiter ging es dann zur Gaststätte Wilhalm, wo schon die resolute Gastwirtin Maria Koch, die nach dem frühen Tod ihres Mann die Gastwirtschaft und den Beherberungsbetrieb über Jahrzehnte allein geführt hatte, die Kinder erwartete und ihnen berichtete, wie sie sich als Frau schon im 19. Jahrhundert durchsetzen konnte. Am St.-Lucia-Hospital wartete dann die erste Oberin des Krankenhauses Schwester Benevenuta auf die Kinder, die ihnen von der Krankenpflege und den Dienst rund um die Uhr berichtete.
Pfarrer, Lehrerin, Amtmann
Pfarrdechant Heinrich Hüntmann zog mit seinem Bericht über den Neubau der St.-Lucia-Kirche im Jahr 1860 die Kinder in ihren Bann und traf auf erstaunte Blicke, als er berichtete, dass drei Jahre zuvor der Kirchturm der alten Luciakirche eines Nachmittags mit einem fruchtbaren Knall in sich zusammengebrochen war. Genauso erstaunt waren die Kinder, als die Lehrerin Hedwig Beerkotte ihnen davon erzählte, wie sie zu ihrem Beruf gefunden hatte und dass es Lehrerinnen früher verboten war zu heiraten.
Am Rathaus schließlich wurden die Zeitreisenden von einem ausgesprochen strengen und königstreuen Amtmann Georg Diepenbrock begrüßt, der immer wieder seinen Macht und seine Sorge um die öffentliche Sicherheit betonte. Wie wenig er sich für die Nöte seiner Untertanen interessierte wurde deutlich, als er die von ihrem trunksüchtigen Mann geschlagene Katharina Drüe brüsk zurückwies. Danach waren de Zeitreisend froh, im Rathau nach der Rückgabe der Zylinder und Kopftücher wieder in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts ankommen zu dürfen.
© Stadt Harsewinkel




