Spökenkiekerdenkmal vor dem Rathaus

Spökenkiekerdenkmal

Am 27. November 1962 wurde in Harsewinkel vor dem neu gebauten Rathaus ein 2,40 Meter hohes Spökenkieker-Denkmal, das einzige seiner Art in Deutschland, feierlich übergeben. Der Wiedenbrücker Bildhauer Hubert Hartmann schlug in den Weser-Sandstein die Figur eines Schäfers, zu dessen Füßen sich Hund und Schafe ducken.

Kopf des Spökenkieker-DenkmalsDen Stock in der Hand, die Rechte zum breitkrämpigen Hut erhoben, schaut er in die Ferne, als ahne er Kommendes. `Spökenkieker´ - so nannte man die Menschen mit dem ´zweiten Gesicht´. Es waren vor allem Schäfer, die die so genannten `Vorgesichte´ hatten und den Menschen Respekt einflößten. Was die Spökenkieker für die Zukunft erblickten, war im Allgemeinen nicht erfreulich: Sie kündigten Tod, Verderben und Kriege an.
Die westfälische Literatur birgt eine Fülle von Erzählungen und Berichte über sie.


So hat ihnen unter anderem auch Annette von Droste-Hülshoff ein langes Gedicht gewidmet, das mit den folgenden Worten beginnt:

Kennst du die Blassen im Heideland,
Mit blonden, flächsenen Haaren?
Mit Augen so klar, wie an Weihers Rand
Die Blitze der Welle fahren?
O sprich ein Gebet, inbrünstig, echt
Für die Seher der Nacht, das gequälte Geschlecht!

Spricht man in Harsewinkel vom Spökenkieker, so denkt man in der Regel an den so genannten "alten Stümpel". Stümpel, der in der Zeit von 1830 bis 1904 in Harsewinkel lebte, mit bürgerlichem Namen Anton Westermann hieß und sich als Tagelöhner verdingte, hatte früh düstere Ahnungen über den Ausbruch eines großen Krieges. Er prophezeite Brände, den Bau der Eisenbahnlinie, den Tod eines Kindes und sah auch sein eigenes Ende im Jahr 1904 voraus.

Quelle: Walter Werland: 1000 Jahre Harsewinkel - Zur Heimatgeschichte der Stadt an der Ems. Hsg. vo der Stadt Harsewinkel. Münster (Westf.) 1965