Suzanna Al Kotaish (vordere Reihe, 1. von links) und Dhyaa Imad (hintere Reihe, 1. von links) mit Thomas Kloidt (hintere Reihe, 2. V on links) und weiteren Mitspielerinnen und Mitspielern aus der Hobby-Mannschaft. Foto: Thomas Kloidt

Flüchtlinge in Harsewinkel: Mit Sport schneller ankommen

Sport ist mehr als nur Bewegung. Besonders im Verein hat Sport auch eine gemeinschaftsbildende Komponente: Sportvereine sind deshalb für Flüchtlinge eine gute Adresse, wenn es darum geht, in der neuen Heimat schneller anzukommen.

Eine Einschätzung, die Dhyaa Imad (46) nur bestätigen kann. Der Industriemechaniker, der vor rund 20 Monaten aus dem Süden von Syrien geflüchtet ist und seitdem in Harsewinkel lebt, spielt seit einiger Zeit regelmäßig in der Volleyball-Hobby-Gruppe der TSG. Die Gruppe, die sich einmal wöchentlich trifft, besteht seit zwanzig Jahren und ist für alle Spieler offen. Vor rund zwei Jahren gab es die erste Anfrage von Flüchtlingen aus Eritrea, die daraufhin zum Spielen eingeladen wurden und seither dazugehören.

Gute Möglichkeiten, das Erlebte zu verarbeiten
„Ich spiele seit meiner Kindheit Volleyball und freue mich, dass ich das hier fortsetzen kann“, so der 46-jährige Dhyaa Imad. Beim gemeinsamen Spielen kann er ganz nebenbei auch seine Sprachkenntnisse verbessern und über den Austausch mit den anderen mehr über das Leben im neuen Land erfahren. Zudem sei Sport auch ein gutes Ventil, um das Erlebte rund um die Flucht zu verarbeiten.

Suzana Al Kotaish hat schon in Syrien gerne Volleyball gespielt
Suzanna Al Kotaish, die im November 2015 gemeinsam mit ihrem Mann aus Damaskus nach Harsewinkel gekommen ist und ebenfalls in der Sportgruppe aktiv ist, sieht das ähnlich. Die syrische Journalistin arbeitet zurzeit bei der Bertelsmann-Stiftung im Bereich "Corporate Communications“. In ihrer Heimat hat sie gerne Volleyball gespielt und ist Schwimmen gegangen. „In Syrien gibt es aber längst nicht dieses breite Sportangebot wie in Deutschland“, so die 27-Jährige. Zudem sei es vor allem für Frauen in ihrer Heimat nicht selbstverständlich gewesen, Sport zu treiben. Ihre Eltern hätten sie aber bei ihren sportlichen Aktivitäten immer unterstützt. In Harsewinkel wurde Suzanna Al Kotaish durch eine Flüchtlingspatin auf die Hobbygruppe aufmerksam. Seitdem ist sie montagabends um 20:15 Uhr regelmäßig in der Dreifachhalle mit dabei.

Neue Mitglieder sind willkommen 
Ohne die acht Flüchtlinge, die mittlerweile die insgesamt 16-köpfige Gruppe verstärken, stünde es schlecht um die Spielfähigkeit der Hobby-Volleyballer. „Ohne die Flüchtlinge bekämen wir keine zwei Mannschaften mehr zusammen“, freut sich Thomas Kloidt, der das Training leitet, über die neuen Mitglieder. Er ist davon überzeugt, dass der gemeinsame Sport hilft, den Integrationsprozess zu beschleunigen. „Sport kann dazu beitragen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im neuen Land schneller Fuß fassen.“ In der Hobby-Gruppe sei daher auch weniger Leistung, als vielmehr Gemeinschaftssinn, Freude an der Bewegung und dem kommunikativen Miteinander gefragt. Thomas Kloidt würde zukünftig gerne noch weitere neue Mitspielerinnen und Mitspieler begrüßen. Allerdings müssten dann auch noch weitere Übungsleiter ihre Bereitschaft erklären, sich hier ehrenamtlich zu engagieren. Für Dhyaa Imad könnte das durchaus eine Herausforderung sein. Um sich für einen Übungsleiterkurs anmelden zu können, arbeitet der Syrier, der fünf Jahre in Damaskus Industriemechanik studiert hat, zurzeit intensiv an der Verbesserung seiner deutschen Sprachkenntnisse. Denn neben einem Mindestalter von 17 Jahren müssen Personen, die sich zum Übungsleiterlehrgang anmelden, über hinreichend gute Deutschkenntnisse verfügen und natürlich Mitglied in einem Verein sein.

 Stadtsportring bietet Übungsleiterlehrgang an
Vom 27. bis zum 30. Oktober bietet der Stadtsportring einen Übungsleiterlehrgang an. Während des 30-stündigen Unterrichts werden Grundlagen zu den Themen Sicherheitsmaßnahmen, Stundenaufbau, Spielen, Aufwärmtraining und Cool-Down vermittelt. Anmeldeschluss für die Teilnahme ist der 12. August 2017. Nach erfolgreichem Abschluss des Lehrgangs ist man Gruppenhelfer und kann als Assistent an Übungseinheiten teilnehmen. Um den allgemeinen Übungsleiterschein zu erwerben, muss nach dem Basismodul eine weitere 90 Stunden umfassende Ausbildungseinheit absolviert werden.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie direkt bei dem 1. Vorsitzenden der Stadtsportringes, Dietrich Möller, Telefon: 05247 80810, E-Mail: