Adrian Wewer

Einer der produktivsten Kirchenbaumeister der Vereinigten Staaten von Amerika der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts stammt aus Harsewinkel. 1858 wanderte der gelernte Maurer und Franziskanerbruder Adrian Wewer nach St. Louis / Missouri aus, von wo aus er sein Wirken als Architekt fast über das gesamte Land entfaltete.

Bild von Adrian WewerBruder Adrian Wewer wurde am 14. April 1836 am Fuß der alten St.- Lucia-Kirche in Harsewinkel geboren und auf den Namen Antonius getauft . Sein Vater Moritz Wewer war Tagelöhner und verdiente einen Teil des Lebensunterhalts für die zehnköpfige Familie als Totengräber auf dem Harsewinkeler Friedhof. Sein Patenonkel war der Maurermeister Anton Wewer, bei dem der spätere Kirchbaumeister vermutlich in die Lehre ging.

1858 trat Antonius Wewer in das Franziskaner-Kloster in Warendorf ein und nahm den Ordensnamen Bruder Adrian an. Von Warendorf aus wird er den Bau der neugotischen St.-Lucia-Kirche in Harsewinkel nach den Plänen des Oelder Architekten Emil von Manger verfolgt haben. Auch von dem Einsturz des Turms der alten Kirche, den man ursprünglich stehen lassen wollte, wird er im Warendorfer Kloster gehört haben.

Im Oktober 1862 verließ Bruder Adrian Warendorf und schiffte sich auf dem Dampfer "New York" nach Amerika ein. Wie viele seiner Ordensbrüder sollte er in der neuen Welt den Mangel an katholischen Geistlichen mildern und für die Seelsorge der Menschen in den Weiten des Landes sorgen. Aber schon die Empfehlung, die sein Mutterkloster für ihn ausgestellt hatte, deutete auf seine spätere Bedeutung als Kirchbaumeister hin: Bruder Adrian wurde nicht nur als begabter Seelsorger, sondern auch als guter Zimmermann und Schreiner gelobt.

In seiner neuen Heimat wurde Bruder Adrian bald mit der Planung für erste Kirchen in St. Louis und in Quincy in Illinois beauftragt. Das war der Beginn einer Reihe von weit über 100 Kirchen, die zwischen dem Mittleren Westen und Kalifornien nach den Plänen von Bruder Adrian aus Harsewinkel entstanden. Bei der Vielzahl der Kirchen liegt es auf der Hand, dass der Kirchbaumeister sich auf drei Grundmodelle für seine Kirchen beschränkte, die von den Gemeinden nach ihren Bedürfnissen und nach ihren finanziellen Möglichkeiten variiert werden konnten. Bei den drei Grundtypen handelte es sich um eine dreischiffige Basilika, eine dreischiffige Hallenkirche und um einen einfachen Saalbau - Formen, die Bruder Adrian aus seiner westfälischen Heimat kannte.

Zu seinem 50-jährigen Ordensjubiläum erhielt er 1908 in Anerkennung seiner Verdienste ein Dankschreiben des Papstes. Auch 1913, im hohen Alter von 77 Jahren, verfolgte er weiter mehrere Baupläne. Im Februar 1914 musste er sich, ernstlich erkrankt, in das St.-Josephs-Hospital in St. Louis begeben, ein Bau, für den er selbst die Pläne entworfen hatte. Dort starb er am 15. März 1914, einen Monat vor seinem 78. Geburtstag.