Bahnhof Harsewinkel, um 1900 - Foto: J.H. Jäger

Schwierige 100 Jahre

Das Jahr 1803 brachte zwei tiefe Einschnitte mit sich: Das Fürstbistum Münster, zu dessen Gebiet Harsewinkel bisher gehört hatte, wurde in das Königreich Preußen eingegliedert. Neuer Landesherr der katholischen Harsewinkeler wurde der evangelische preußische König. In diesem Jahr wurde außerdem nach über 600 Jahren mönischem Leben das Kloster Marienfeld durch die neuen Landesherren säkularisiert und in eine Staatsdomäne umgewandelt.



Harsewinkel - von 1806 bis 1814 zu dem von Napoleon gegründeten Großherzogtum Berg gehörig - war in preußischer Zeit eine eigene Bürgermeisterei, zu der Harsewinkel, Marienfeld und seit 1820 auch Greffen gehörten. Von 1841 an waren diese drei Ortschaften selbständige Gemeinden im Amtsverband Harsewinkel. Erster von der preußischen Obrigkeit eingesetzter Bürgermeister war Eduard Wilhelm Wendland aus Westpreußen. In Harsewinkel ließ er in der Ortsmitte ein stattliches Bürgerhaus im klassizistischen Stil errichten - das erste steinerne Gebäude nach der alten St. Lucia Kirche. Bis heute prägt das Wendland-Haus das Gesicht des Marktplatzes.

Im 19. Jahrhundert lag Harsewinkel für lange Zeit abseits der großen Verkehrsverbindungen. Hinzu kam, dass der traditionelle Handel mit Garn und die Verarbeitung von Flachs und Hanf in der ersten Jahrhunderthälfte zusammenbrachen. Eine lange wirtschaftliche Stagnation, verbunden mit einem Rückgang der Bevölkerung durch Wegzug in die benachbarten Industriegebiete und durch Auswanderung, war die Folge. Besserung sollte erst eintreten, nachdem Harsewinkel seit 1883 mit Warendorf und Gütersloh durch gepflasterte Straßen verbunden worden war. 1900 folgte schließlich durch die Teutoburger Wald Eisenbahn auch ein Anschluß an das Eisenbahnnetz. Dadurch verbesserten sich für die Landwirte die Möglichkeiten, ihre Produkte nach außerhalb zu verkaufen und zugleich den dringend benötigten Kunstdünger und das Futtergetreide heranzuschaffen. Nach und nach bekamen auch die Handwerker und Kaufleute diesen Aufschwung in der Landwirtschaft zu spüren.