Ein Paar lehnt sitzend an einem Baum im Stadtpark

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Leben in Harsewinkel
  • Hintergrund und Konzept

    Die 1961 erbaute Astrid-Lindgren Grundschule repräsentiert ein typisches Beispiel für den kommunalen Nichtwohngebäudebestand der Stadt Harsewinkel. In der Vergangenheit wurden bereits ein Großteil der Fenster durch hochwertige drei- und zweifachverglaste ersetzt, die Umwälzpumpen der Heizungsanlage auf Hocheffizienzpumpen umgerüstet und 2015 mit Förderung durch das PTJ (Förderkennzeichen 03K0075) die konventionelle Innenbeleuchtung auf LED-Technik umgestellt. Mit dem vorliegenden Konzept wird nun die Sanierung und Umrüstung zum CO2-neutralen Gebäude angestrebt. Dabei kommt eine umfassende Maßnahmenpalette aus energetischer Sanierung, Umrüstung auf erneuerbare Energien und begleitender Maßnahmen zur Energieverbrauchsminimierung zum Tragen. In Summe ergibt sich dadurch eine Reduktion des jährlichen CO2-Austoßes von ca. 157 Tonnen im Jahr.

  • Relevanz für den lokalen Klimaschutz und Gebäudebestand

    Mit dem Konzept können wichtige Maßnahmen und Ziele des Harsewinkeler Klimaschutzkonzeptes zusammengeführt und umgesetzt werden:

    • Vorbildfunktion der Stadt bei energetischen Sanierungen und Etablierung eines Standards deutlich unter dem derzeit gesetzlich vorgeschriebenen der EnEV und Vorwegnahme der Anforderungen durch die EU-Gebäuderichtlinie

    • Langfristig Erzielung der CO2-Neutralität, auch im Gebäudebestand, bis 2050

    • Umstellung auf erneuerbare Energien im Rahmen von Heizungserneuerungen

    • Hebung der nutzungsbedingten Einsparpotentiale in den öffentlichen Einrichtungen

    Insgesamt wird mit dem vorliegenden Konzept ein integrierter Ansatz für eine Strategie zum CO2-neutralen Gebäudebestand verfolgt, bei dem die energetische Sanierung, Umstellung auf erneuerbare Energieträger und die Berücksichtigung des Nutzerverhaltens mit einfließen. Das Vorhaben soll weiterhin als wichtiges Leitprojekt und Best-Practice Beispiel dienen, mit dem Multiplikatoreneffekte und Erfahrungen für zukünftige Sanierungsprojekte generiert werden.

  • aUSGANGSSITUATION

    Der Gebäudekomplex der Astrid-Lindgren Grundschule soll über ein integriertes Konzept mit Einzelmaßnahmen zur energetischen Sanierung, Umstellung auf erneuerbare Energieträger und Optimierung der Nutzungseffizienz auf ein CO2-neutrales Niveau gebracht werden.

    Das Gebäude selbst gliedert sich in 3 untereinander verbundene Hauptkomplexe mit einer separaten Turnhalle. Eine Übersicht des Gebäudes und seiner Strukturierung kann der nachfolgenden Abbildungen entnommen werden:


  • Umrüstung der bestehenden Gasheizungsanlage auf Holzpellets

    Vor der Erneuerung der Heizungsanlage standen zwei identische Gaskessel mit einer Leistung von je 185 kW zur Beheizung des Hauptgebäudes und der Turnhalle zur Verfügung, die 1992 eingebaut wurden. Der jährliche Gasverbrauch lag bei ca. 546.000 kWh/a. Die Umwälzpumpen wurden bereits 2015 auf Hocheffizienzpumpen umgerüstet.

    Als neue Heizungsanlage wurde eine über einen möglichst großen Modulationsbereich (70 bis 220 kW) verfügende Holzpelletsanlage eingebaut. Die Anlage wurde im bereits bestehenden Heizungskeller des Gebäudes aufgestellt und ein anliegender Raum zum Pelletslager umfunktioniert. Die Maßnahme schließt eine vollständige Erneuerung der Regelungs- und Steuerungstechnik ein.

    Heizungsanlage vor der Sanierung:


    Pelletsraum vor dem Umbau:


    Heizungsanlage nach Umbau:



    Erneuertes Verteilsystem:


    Neus Pelletslager:



  • FENSTERTAUSCH

    Obwohl in den letzten Jahren bereits ein umfangreiches Programm zum Fenstertausch durchgeführt wurde (größtenteils 3-fach verglaste Fenster mit einem U-Wert besser 0,9 W/m²K), sollten die noch verbliebenen des Altbestandes, bei diesen war stellenweise noch eine Einfachverglasung verbaut, gegen neue 3-fach verglaste hochwertige Fenster mit einem U-Wert besser 0,9 W/m²K getauscht werden. Insgesamt wurden im Zuge der Sanierung über 80 m² Fensterfläche getauscht.

    Fenster vor dem Tausch:



    Fenster nach dem Tausch:






  • Dämmung der obersten Geschossdecken

    Die beiden obersten Geschossdecken der des linken und mittleren Hauptgebäudeteils (siehe Übersichtsplan) wurden mit einer 0,26 m dicken Dämmung versehen. Es handelt sich jeweils um eine durchgängige Fläche (Dachboden als Sparrendach mit Stahlbetondecke), auf die die Dämmung problemlos aufgebracht wurde. Mit der realisierten Dämmdicke und Materialqualität WLG040 wird ein U-Wert von ca. 0,20 W/m²K erzielt. Beide Geschossdecken weisen eine Länge von ca. 32,5 m und eine Breite von ca. 16,75 m mit einer zu dämmenden Gesamtfläche von ca. 1088 m² auf.

  • Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher

    Zur bilanziellen Abdeckung des Stromverbrauches sowie dem Ausgleich der restlichen CO2-Emissionen der Holzpelletsanlage ist eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Turnhalle und der Schule mit zusätzlichem Batteriespeicher für die Eigenverbrauchsoptimierung und Steigerung des Autarkiegrades errichtet worden. Die Anlage verfügt über eine Leistung von ca. 40 kW und eine Batteriespeicherkapazität von ca. 40 kWh. Durch ein intelligentes Batteriespeichermanagement können sowohl der Eigenverbrauch von ca. 30.000 kWh/a als auch der Restausstoß von ca. 9 t CO2/a durch die Holzpelletsanlage bilanziell kompensiert werden.

    Photovoltaikanlage auf dem Hauptgebäude:


    Photovoltaikanlage auf der Turnhalle:


    Batteriespeichersystem: 


  • Wirtschaftlichkeit und Förderung

    Die entstandenen Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf ca. 330.000 €. Die Maßnahme wird mit einer anteiligen Förderung von 50 % für die energetische Sanierung der Gebäudehülle und Heizungsanlage durch die nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums über den Projekträger Jülich gefördert. Die Installation des Batteriespeichers wird über das Landesförderprogram progres.nrw zu 50 % bezuschusst. Die gemittelte Ammortisationsdauer der Maßnahmen beträgt ca. 9 Jahre. Allein der Wärmebedarf wird um ca. 295.000 kWh reduziert. Zusätzlich wird ein Großteil des benötigten Stromes über die installierte Photovoltaikanlage mit Speicher erzeugt. 

  • Klimaschutz

    Mit der Maßnahme werden jedes Jahr CO2-Emissionen von fast 160 Tonnen eingespart. Dies entspricht ca. 30 – 40 durchschnittlichen Haushalten. 


Gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Nationale Klimaschutzinitiative

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.



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